Bakteriologische Waffen
Wir haben jetzt sowohl beim Menschen als auch beim Tier an vielen Beispielen gesehen, dass Seuchen immer mit schlechten Lebensbedingungen einhergehen.
Auch von der Theorie her ist es wenig glaubhaft, dass die Prozesse der Biologie, die für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Lebens stehen, auf einmal unvermittelt das Gegenteil tun und gesundes Leben bekämpfen.
Das würde der Behauptung in der Physik entsprechen, dass sich die Schwerkraft für einen einzelnen Gegenstand auf einmal ändern kann und dieser in den Himmel gezogen wird.
Das Vertrauen in die Physik ist hier weit höher als in die Biologie, darum glaubt das eine jeder und das andere keiner. Ohne Beispiel sind aber beide Annahmen.
In Folgenden möchte ich kurz auf die darum vergeblichen Versuche des Menschen eingehen, einen Killervirus herzustellen.
1. Der Traum
Es ist der Traum aller Militärs. Die Biologen entwickeln einen todbringenden Killervirus, die eigenen Leute werden geimpft und der Virus wird im Feindesland ausgesetzt.
Aber machen wir uns nichts vor. Wenn so etwas gehen würde, wäre die Menschheit schon lange ausgerottet oder spätestens in Kürze.
Denn früher oder später zerstreiten sich auch die befreundeten Militärs und bilden wieder zwei Lager. Nicht, weil sie böse sind, sondern, weil es menschlich ist. Prinzipiell traut man dem anderen natürlich nicht zu, dass er die Virentechnologie gegen einen zum Einsatz bringt, aber ganz sicher kann man nicht sein, schließlich hat er es ja schon einmal gemacht. Besser ist also, da wir ja die Guten sind, dass wir ihm zuvor kommen. Besser ist, wir rotten das Böse aus, bevor das Böse uns, also das Gute, ausrotten kann.
Ich denke, das sieht jeder ein. Also setzen wir die Killerviren bei den anderen aus und impfen die eigenen Leute, bevor sie es bei uns tun. Das wird natürlich fortgeführt, bis keiner mehr da ist.
2. Die Praxis
Man muss sich nicht nur hin und wieder fragen, warum etwas passiert, sondern auch, warum etwas nicht passiert.
Kein Schurkenstaat hat jemals einen Killervirus ausgesetzt, keine Supermacht hat einen. Sie behaupten es auch nicht. Vielleicht denken die einen oder anderen, sie haben einen Supervirus, weil ihre Wissenschaftler es ihnen sagen und zwei unter Stress gesetzte Laborratten daran gestorben sind. Aber das war es dann auch schon.
Ich meine, genauso wie du dich gut dabei fühlst, wenn du denkst, du hast eben wieder 3 Milliarden Menschen mit deiner Impfung vor dem sicheren Tod gerettet, fühlst du dich als Militär auch gut dabei, wenn du denkst, du kannst 3 Milliarden Menschen mit einem Supermutantenkiller-Virus vernichten. Und warum sollten sie das nicht auch denken dürfen, wenn sie ein gutes Gefühl dabei haben?
Atomwaffen, wenn du die entwickeln und bauen willst, brauchst du gewaltige Ressourcen an Technologie und Material. Und jeder bekommt sofort mit, wenn du damit anfängst. Wir sehen ja am Iran, was das für einen Wirbel macht.
Und noch schlimmer, wenn du Atomwaffen einsetzt, dann weiß jeder sofort, dass du es warst und dann gibt es richtig Ärger. So ein Atomwaffeneinsatz lässt sich schwer vertuschen und er ist mächtig unpopulär.
Aber Biowaffen? Du setzt zwei Biologen irgendwo in den Keller eines Labors und die mischen dir einen Virus zusammen, der alles Leben in ganz Nordamerika auslöscht. Und wenn sie es nicht selber können, bestellen sie halt die Virensequenzen über das Internet.
Anschließend kannst du dann über das Fernsehen noch Hilfsangebote unterbreiten und sagen, wie sehr du diese Entwicklung bedauerst, dass dein Todfeind mit einer Seuche zu kämpfen hat. Das ist doch viel smarter.
Warum passiert so etwas nicht?
Ich sehe zwei mögliche Antworten:
(1) Moralische Werte verbieten es den Betreffenden.
(2) Sie können es nicht.
Welche Antwort wird da wohl die richtige sein?
Die einzige Frage, die sich stellt, ist, wissen die Militärs das oder forschen sie einfach gnadenlos weiter?
Wenn wir an Mark Twain denken: "Kaum verloren wir unser Ziel aus den Augen, verdoppelten wir unsere Anstrengungen", ist es wohl eher das Letztere.
3. Tokio
Prinzipiell ist es natürlich möglich, einen Menschen mit Viren und Bakterien zu töten, wenn die Dosis nur hoch genug gewählt wird oder/und weitere Faktoren hinzukommen.
Insgesamt ist es aber ein sehr mühsames Geschäft mit biologischen Waffen Menschen umbringen zu wollen und im großen Stil geht das schon mal gar nicht.
Es ist da weitaus effektiver, Menschen mit einem Knüppel tot zu hauen, als zu versuchen, sie mit Biowaffen umzubringen.
Einen verzweifelten Versuch, möglichst viele Menschen mit Bakterien und Viren zu töten, natürlich aus Unkenntnis der grundlegenden Regeln des Lebens, startete 1995 mehrfach die japanische Aum-Sekte in Tokio. Wahrscheinlich hast du damals davon gehört.
Trotz erheblicher Anstrengungen und etlicher Wissenschaftler in den eigenen Reihen und dem Einsatz biologischer Kampfstoffe im großen Stil ist nichts weiter passiert.
Ich meine, wir können darüber lachen, aber was müssen die frustriert gewesen sein? Innerhalb der Sekte müssen sich menschliche Dramen abgespielt haben:
Lange vor dem Nervengasanschlag auf die U-Bahn Tokio am 20. März 1995, bei dem 12 Menschen starben, mehr als 5000 verletzt wurden, hatten die Anhänger des vermeintlichen Wunderheilers Asahara bereits mit diversen Bakterien experimentiert. 1990 versuchten sie, gefährliche Keime über die Auspuffrohre von Lastwagen in Tokio zu verbreiten. Ein paar Jahre später versprühten Sektenmitglieder den gefährlichsten biologischen Kampfstoff überhaupt, das Botulinum-Toxin, mit einem eigens dafür ausgerüsteten Fahrzeug in Tokio. Wenigstens viermal brachte die Sekte Biowaffen zum Einsatz - in keinem Fall wurde jemand verletzt. Als sich die Sekte dann Milzbranderregern zuwandte, blieben die Anschläge ebenfalls ohne die geplante verheerende Wirkung. Die Aum-Anhänger verteilten das Gift über mehrere Tage von ihrem Labor in einem achtstöckigen Gebäude aus mit einer großen Sprühvorrichtung in die Luft Tokios. Anwohner beschwerten sich bei den Behörden über den üblen Geruch, auch wurden einige Haustiere und Pflanzen krank. Menschen kamen jedoch, trotz der massiven Bemühungen der Sekte, nicht zu Schaden. Einige wenige klagten über Bauchschmerzen, das war glücklicherweise alles. (Bartens, S. 292)
Sicher ist Milzbrand gefährlich, aber er muss auch in Größenordnungen verteilt werden, was ihn wieder unattraktiv macht als Massenvernichtungswaffe. Es reicht nicht, einen Brief mit Milzbrand in irgendein Land zu schicken und 2 Tage später lebt dort keiner mehr.
Zum Schluss waren die Sektenanhänger jedenfalls so frustriert über die Wirkungslosigkeit ihrer absolut tödlichen Biowaffen und der ganzen Bakterien und Virengeschichte, dass sie dann doch wieder zur Chemie, also zu Gas, gegriffen haben.
Das hat allerdings nicht ganz gereicht, um Tokio komplett auszulöschen, was ihnen natürlich klar war, denn deswegen wollten sie ja Biowaffen nehmen. Aber immerhin 5 Menschen haben sie getötet.
Wie gesagt, hätte jeder aus der Aum-Sekte einen Knüppel in die Hand genommen und wäre damit in die U-Bahn gestürmt, hätten sie mehr tothauen können als nur fünf.
Das ist eben immer das Problem, wenn man alle umbringen will oder alle heilen, egal, dann verliert man den Blick für das realistisch Machbare und schafft nicht einmal das.
Aber die wirkliche Ironie an der Sache ist: Diese Leute der japanischen Sekte haben uns und unsere Gesellschaft gehasst, ganz abgesehen davon, dass diese Sekte einfach komplett durchgeknallt ist und die Gesellschaft darum sein kann, wie sie will.
Aber ausgerechnet dort, wo wir etwas etabliert haben, was tatsächlich problematisch ist, nämlich die Bakterien- und Virengeschichte, da haben sie an uns felsenfest, bis zur Selbstaufgabe, geglaubt.
Trotz ständigen Versagens ihrer Theorien und Viren in der Praxis.
Wenn das nicht komisch ist.
4. Pocken übers Internet
In der PM 11/2006, die ich mitnahm, wegen des Titelthemas, stand Folgendes auf Seite 13:
Mitte Juli dieses Jahres lag eine ungewöhnliche Postsendung im Briefkasten einer Londoner Wohnung. Der Din-A5-Umschlag enthielt ein kleines Plastikröhrchen […]. Es handelte sich um einen Abschnitt aus dem Erbgut von Pockenviren.
Das tödliche Virus selbst ist seit über 30 Jahren ausgerottet und existiert weltweit nur tiefgefroren in wenigen Labors. Seine Gensequenz aber ist im Internet frei zugänglich. Um an die DNA heranzukommen, musste der britische Journalist James Randerson lediglich auf der Website der britischen Firma VH Bio Ltt ein Bestellformular ausfüllen. Die Eingabe der Adresse, eine Mobilfunknummer und die gewünschte Erbgut Sequenz genügten.
Die Kosten […] betrugen umgerechnet gerade mal 49 Euro.
Es waren nur 78 Basenpaare, der komplette Virus besteht aus 180.000 und man muss alles zusammenfügen. Das können böse Menschen natürlich nicht.
Allerdings, schon vor 4 Jahren ist es einem Forscher in den USA gelungen, infektiöse Polioviren zusammenzusetzen und er hatte die DNA Fragmente ebenfalls von einem der zahlreichen kommerziellen Anbieter bezogen.
5. Die Pest
Das letzte, was ich jetzt gelesen habe, ist, dass sie Pesterreger gefunden haben, die gegen Antibiotika resistent sind.
Ich sage es, wie es ist, ohne etwas zu beschönigen, uns droht die Pest in Europa.
6. ABC-Waffen
B und C Waffen sind die Atomwaffen der Armen. So wurde es schon in den 80-er Jahren gesagt, aber irgendwie gab es noch niemals einen Angriff mit B-Waffen.
Die ganzen Diktatoren und Ideologen in den Schurkenstaaten, die ihre eigene Bevölkerung hinmeuchelten wie Ida Amin und Saddam Hussein sind im Grunde ihres Herzens also doch alles gute Menschen, die so etwas Böses niemals tun würden. Selbst dann nicht, wenn es ihnen an den Kragen geht. Edle Menschen sind das, die in unseren Medien völlig falsch dargestellt wurden.
Aber seien wir ehrlich: Wenn du mich fragst, dann haben wir bei den ABC-Massenvernichtungswaffen zur Zeit Schwierigkeiten mit den B-Waffen.
7. Heilen, töten und Wunder
Nicht nur das Heilen von richtig vielen Menschen erweist sich als schwierig und vor allem sehr aufwendig, sondern auch das Umbringen von richtig vielen Menschen.
Es ist schon ein Kreuz. Nichts klappt hier so, wie es in "Biologie heute" steht.
Manchmal denke ich mir, es wäre besser, nicht so viel an Wunder zu glauben. Weder in die eine Richtung noch in die andere.
8. Internationaler Terrorismus
Übrigens wird, im Zusammenhang mit dem Internationalen Terrorismus, kaum von der Gefahr durch B-Waffen gesprochen.
Das liegt nun nicht daran, dass die meisten nicht an B-Waffen glauben würden, sondern daran, dass mit B-Waffen noch nicht viel passiert ist. Und, wenn du den Menschen ein bisschen kennst, dann liegt das wiederum nicht daran, dass er Skrupel hat, sondern, dass es nicht funktioniert. Wie bei der Aum-Sekte gesehen oder den Pocken und Fort Pitt im Indianer-Kapitel.
9. Fazit
Mein Vater hat früher immer zu meinem kleinen Bruder gesagt: "Du bist so stark, du haust alle um, die schon liegen". Und genau das ist die Wirkungsweise von Viren.