Eichhörnchensterben
Seit längerer Zeit berichten die Medien, dass das aus Nordamerika in Europa eingewanderte graue Eichhörnchen das hier heimische rote Eichhörnchen verdrängt.
In England und in Norditalien, wo graue Eichhörnchen aus Übersee in die freie Natur gelangten, ist das schon auf 90% des Territoriums der Fall.
Berichte dazu klingen so:
Grau versus Rot im Vereinigten Königreich: Graue Eichhörnchen aus Nordamerika verdrängen die einheimische rote Variante. Die Grauen sind robuster - und sie übertragen ein Virus, das den Roten den Garaus macht.
Die kleinen Roten, die in Großbritannien vielerorts vom Aussterben bedroht sind, haben mit einem tödlichen Virus jetzt einen weiteren Feind. Der Überträger ist - natürlich - das Grauhörnchen. Showdown im Reich der Nager.
Das Grauhörnchen kam schon im 19. Jahrhundert aus Nordamerika nach England und wurde als exotischer Gefährte in den Gärten reicher Briten gehalten. [...] Das so genannte Pox-Virus schleppten die Tiere wahrscheinlich bereits vor über 100 Jahren nach England ein. Laut einer Studie der Universität Newcastle tragen inzwischen bereits 70 Prozent der grauen Tiere das Virus in sich. Besonders gemein: Das Grauhörnchen überträgt das Virus, erkrankt aber nicht. Infiziert sich dagegen ein rotes Eichhörnchen, stirbt es innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Da es keine Impfung gibt, sehen Forscher das Virus als größte Bedrohung der Roten im Kampf gegen die Grauen. In Gegenden mit dem Virus starben die roten Pelzträger bis zu 25 Mal schneller als in Regionen, die von dem Virus nicht befallen sind. 2016 könnten die roten Nager, die ohnehin fast nur noch in Schottland und im Norden Englands leben, deshalb im Vereinten Königreich komplett ausgestorben sein. "Entscheidend ist, dass wir das Virus unter Kontrolle bekommen", sagt Peter Lurz, Leiter der Studie.
("Showdown der Nager", 25.08.2006, stern.de)
Da haben wir den klassischen Killervirus, so wie er in den Medien dargestellt wird, egal ob beim Bienensterben, der Vogelgrippe oder der spanischen Grippe.
Allerdings widerspricht das all dem, was wir im Vorfeld gelesen haben, dass Killerviren nur bei geschwächten Populationen auftreten können.
Die Auflösung dazu gibt ein Stern-Artikel 2,5 Jahre später:
Die Gründe für die Verdrängung sind vielfältig. Eichhörnchen sind Einzelgänger und haben einen großen Platzbedarf. Grauhörnchen brauchen dagegen weniger Raum und akzeptieren die Nähe von Artgenossen. Sie sind größer als ihre europäischen Vettern und wiegen mit durchschnittlich 550 Gramm fast doppelt so viel. Ihr Hunger, den sie in den Laubwäldern Nordamerikas vor allem mit herunterfallenden Baumfrüchten wie Bucheckern stillen, ist entsprechend groß. "Die bleiben mehr am Boden und können sehr schnell sehr viel fressen", sagt Luc Wauters.
Zu allem Überfluss plündern die gefräßigen Grauen die Wintervorräte der Roten. Während die Grauen im Herbst Fettdepots am Körper anlegen, halten die Eichhörnchen für das Leben in den Bäumen gewissermaßen Diät. Sie können nicht auf Vorrat fressen, sondern sind am Ende des Winters auf ihre Reserven im Waldboden angewiesen. Wenn die futsch sind, verlieren sie sehr schnell an Gewicht. Bleiben die Weibchen jedoch unter 300 Gramm, sind sie unfruchtbar. Dadurch werden weniger Junge geboren. Und die wenigen, die noch zur Welt kommen, finden wegen der vielen Grauhörnchen keinen Platz für ein eigenes Streifgebiet. Die Folge: Sie werden an den Habitatgrenzen von ihren Artgenossen herumgeschubst. Die Tiere sind gestresst, können sich weniger auf die örtlichen Risiken wie beispielsweise eine Straße oder den Standort des lokalen Habichts konzentrieren und sterben dadurch früher. Die Eichhörnchenpopulation verschwindet innerhalb weniger Jahre.
("Eichhörnchen in Not", 04.04.2009, stern.de)
Tja, da haben wir es. Es ist so wie immer. Nicht der Killervirus kommt und dann sterben alle Tiere, sondern durch Stress und Hunger, wir werden gleich sehen, dass nicht nur Hunger, sondern auch Stress Tiere für Infektionskrankheiten anfällig macht, sind die Tiere geschwächt und der Virus zeigt das auf.