Studien - Fehlende Infekte und Allergien
1. Überblick
Allergien sind eine Fehlfunktion des Immunsystems, die sich gegen zwar fremde, aber harmlose Substanzen richtet.
Die im Organismus ablaufenden fehlerhaften Prozesse, die zu ihnen führen, sind grundsätzlich dieselben wie die bei den Autoimmunerkrankungen beschriebenen, wobei der Begriff der Selbsttoleranz bei Allergien weiter gefasst ist.
Der folgende Überblick über die Art der Infekte und die vorhandene Studienlage
ist angelehnt an die Präsentation eines Vortrags, der 2005 an der
Universitätsklinik für Lungenheilkunde in Bern gehalten
worden ist.
("Hygienewahn, sind Allergien der Preis dafür?", Werner J. Pichler)
(1) Familiengrösse, Kindertagesstätten (day care)
Kinder kinderreicher Familien haben:
- weniger Heuschnupfen
- weniger atopische Ekzeme
- weniger Sensibilisierungen auf Aeroallergene
- weniger allergisches Asthma
Der Grund dafür ist, dass Kinder kinderreicher Familien und Kinder, die
Kindertagesstätten besuchen, mehr Erregern ausgesetzt sind.
Diese Kinder haben mehr respiratorische Infekte. Respiratorische
Infekte sind Infekte, die die Atmung betreffen.
Fünf Studien wurden aufgeführt:
Stachan DP. BMJ 1989;299:1259-60
Golding J / Peters T. Paed Perinat Epid
von Mutius E et al. BMJ 1994; 308:692
Jarvis D et al. Clin Exp Allergy 1996;27
Bodner C et al. Thorax 1998;53:28-32
AUCH: die neue kiggs studie!!!
Am Ende der Präsentation wurde dieser Punkt wie folgt zusammengefasst:
Gehäufte Atemwegsinfekte (in Kindertagesstätten, in
Grossfamilien) haben einen inversen Bezug zur
Atopieneigung, jüngere Kinder kinderreicher Familien
haben weniger Atopie.
(2) Bauernkinder - Leben auf dem Bauernhof
Prinzipiell scheint es so zu sein, dass das Leben auf dem Bauernhof vor Allergien
und Asthma schützen kann, allerdings wird auch eine gegensätzliche Neuseeländische
Studie dazu zitiert.
Bei den, in diesem Zusammenhang, gemessenen Endotoxin-Werten sieht es ähnlich aus.
Die Tendenz ist, je höher diese Werte sind, desto mehr Schuz vor Asthma und
Allergien ist da.
Gleichwohl wird auch eine Studie zitiert, die diesen Zusammenhang nicht fand
und eine andere, die höhere Endotoxin-Werte mit Asthma- und allergische
Atmewegserkrankungen assoziierte.
Studien sind:
-Riedler J et al. Lancet 2001;358:1129
-Braun-Fahrländer C et al. NEJM 2002;347:869-77
-Wickens et al. Allergy 2002;57:1171-9
(3) Antibiotika und Impfungen
(-> für mich: dies raus und in ein Antibiotika-Kapitel)
Im englischsprachigen Wikipedia steht in Zusammenhang mit Antibiotika zur Hygiene Hypothese:
"The use of antibiotics in the first year of life has been linked to asthma
and other allergic diseases. The use of antibacterial cleaning products
has also been associated with higher incidence of asthma, as has birth by
Caesarean section rather than vaginal birth."
(Hygiene Hypothesis)
Die diesen beiden Sätzen dort zugeordneten Studien sind:
(i) Eine Analyse von 8 Studien (2005):
Objectives: To determine the association between antibiotic exposure in the first year of life and the development of childhood asthma.
Setting: Retrospective and prospective studies published in the English-language literature from 1966 to present.
Conclusions: Exposure to at least one course of antibiotics in the first year of life appears to be a risk factor for the development of childhood asthma. Because of the limitations of the studies conducted to date, additional large-scale, prospective studies are needed to confirm this potential association.
(Does Antibiotic Exposure During Infancy Lead to Development of Asthma?)
(ii) Eine Analyse von 23 Studien über den Zusammenhang von Kaiserschnitt-Geburten
und Asthma (2007):
Background Children born by Caesarean section have modified intestinal
bacterial colonization and consequently may have an increased risk of
developing asthma under the hygiene hypothesis.
Conclusion In this meta-analysis, we found a 20% increase in the subsequent risk of asthma in children who had been delivered by Caesarean section.
(A meta-analysis of the association between Caesarean section and childhood asthma)
(iii) Eine Längsschnittstudie über den Zusammenhang zwischen der Verwen- dung von Desinfektions-Sprays
im Haushalt und Asthma im Erwachsenenalter:
Rationale: Cleaning work and professional use of certain cleaning products have been associated with asthma, but respiratory effects of nonprofessional home cleaning have rarely been studied.
Conclusions: Frequent use of common household cleaning sprays may be an important risk factor for adult asthma.
(The Use of Household Cleaning Sprays and Adult Asthma)
(iv) In der Präsentation selber wurde unter dem Punkt "Antibiotika und Impfungen"
eine Studie aus Schweden aufgeführt:
Es wurden Kinder aus Steiner- und Kinder aus Volksschulen in Schweden
verglichen. Obwohl die alternativer lebenden Steiner-Schüler nur zu 61% die
Masern hatten und zu 50% noch Antibiotika bekommen haben,
schnitt die Vergleichsgruppe deutlich schlechter ab. So war Bronchial-Asthma (17%)
dreimal so häufig vertreten wie bei den Waldorfschülern (5,8%),
Hautallergien ebenso (8,9% zu 2,7%) und die allergische
Entzündung der Nasenschleimhaut kam noch doppelt so oft vor (14,1% zu 7,1%).
Mit Antibiotika und Impfungen wurden in dieser Studie zwei Mechanismen betrachtet,
die den Ablauf von Infektionskrankheiten ändern.
(Atopy in children of families with an anthrophosophic lifestyle, The Lancet, 01.05.1999, J. Aim, J. Swartz, G. Lilja, A. Scheynius, G. Pershagen)
(4) Natürliche Infekte
(i) Kinder in Guinea-Bissau, 1996
Interessant an der folgenden Studie ist auch der einleitende Satz:
"Epidemiological studies have led to speculation that infections in early childhood may prevent allergic sensitisation but evidence to support this hypothesis is lacking. We investigated whether measles infection protects against the development of atopy in children of Guinea-Bissau, West Africa."
Es wurden 395 Jugendliche im Alter zwischen 0-6 Jahren untersucht. Bei den Jugendlichen, die die Masern durchgemacht haben, wurden 14 Jahre später Allergien in 12,8 Prozent der Fälle festgestellt, bei den Jugendlichen, die geimpft waren und die Masern nicht hatten, bei 25,6 Prozent. Also bei exakt doppelt so vielen.
(Measles and atopy in Guinea-Bissau, Lancet, 1996 Jun 29, 347)
(ii) Italienische Soldaten mit Antikörpern gegen Hepatitis A, 1997
Wie er später ausführt, sind generell orofäkale Infekte, vor allem Hepatits A,
T.gondii, H.pylori bei Nicht-Allergikern häufiger.
Orofäkal bedeutet, dass der Erreger aus dem Darm stammt.
Folgerung der angegebenen Studie:
"Indirect but important evidence is added to the working hypothesis as common infections acquired early in life because of the presence of many older siblings (among seronegative subjects) or because of unhygienic living conditions (among seropositive subjects) may have reduced the risk of developing atopy."
(Cross sectional retrospective study of prevalence of atopy among Italian military students with antibodies against hepatitis A virus.)
Was sagt Wikipedia zu Hepatits A?
Die Hepatitis A ist eine durch das Hepatitis-A-Virus verursachte
Infektionskrankheit. Hauptsymptom ist eine akute Entzündung der Leber
(Hepatitis). Die Hepatitis A verläuft niemals chronisch und heilt meist
ohne ernsthafte Komplikationen spontan aus
und:
Eine Impfung ist der derzeit beste Schutz gegen eine Hepatitis A.
(Hepatits A)
Und zu Hepatitis B?
Bei etwa einem Drittel der Weltbevölkerung sind als Zeichen einer überstandenen HBV-Infektion Antikörper nachweisbar.
(5) Argumente gegen einige Aspekte der Hygiene Hypothese
(i) Impfstudien (BCG-Impfung, Masern)
Zur BCG-Impfung:
Es wird eine Berliner Studie aufgeführt, die von einem nur schwachen
beziehungsweisen keinem protektivem Effekt der Impfung vor Asthma und Allergien
spricht.
Dazu ist zu sagen, abgesehen davon, dass diese Impfung ja nun auch keinen Effekt
gegen Tuberkulose hat und die Frage gestellt werden kann, was sie überhaupt tut,
dass es um Infekte geht, die ein Kind hatte oder nicht hatte.
Das gilt umgekehrt natürlich auch für den positiven Fall.
Es wurde eine japanische Studie aufgeführt (The inverse association between tuberculin responses and atopic disorder),
in der ein Zusammenhang hergestellt wurde zwischen der Tuberkulose-BCG-Impfung,
also einem positiven Tuberkulin-Test und Allergien.
Das wäre derselbe Zusammenhang zwischen Impfung und Allergie und nicht
zwischen fehlender Infektion und Allergie.
Gleichwohl kann die direkte Wirkung einer Impfung sein, dass eine Allergie entwickelt
wird, wie unter dem Punkt Impfschäden bei der DPT-Impfung ausgeführt.
Bei der BCG-Impfung ist das aber eher nicht der Fall, wie eine andere Studie zeigt:
(The response to PPD and its relation to allergic diseases in children vaccinated at birth with BCG)
Zur Masern-Impfung:
Das signifikante Ergebnis der aufgeführten Studie an 547.910 Personen war:
Finnen mit Masern hatten ein 1.7-fach erhöhtes Asthma-Risiko.
Und die Folgerung war:
"Based on our data, measles and atopy occur more frequently together than expected, which does not support the hypothesis that experiencing natural measles infection offers protection against atopic disease."
(Measles History and Atopic Diseases)
Aufgrund der großen Zahl der beteiligten Personen in der Studie und dem damit
sicheren Zusammenhang von Masern und Asthma folgert der Autor des Vortrags
Professor Pichler ebenfalls:
Die Annahme, dass eine Maserninfektion vor Atopie schützt, kann nicht aufrecht erhalten werden.
Sicher ist aber nicht immer sicher und wir werden uns auch gleich ansehen warum.
Die erste Erschütterung des "sicher" findet statt, wenn man nach weiteren Studien
sieht. Selbst zu dem signifikanten
Ergebnis der Studie, dem Zusammenhang von Masern und einem 1,7-fach erhöhtem Asthma
Risiko, findet man sofort Studien mit dem umgekehrten Ergebnis:
(1) Neuseeland, Asthma bei Kindern
Keine Geschwister oder nur einen Bruder oder einen Schwester zu haben wurde mit einem größeren Risiko von Asthma
in Zusammenhang gebracht, als mehr als einen Bruder oder Schwester zu haben.
Davon unabhängig galt für die Masern (Rubeola):
"Parent-reported rubeola infection (and possibly other similar viral exanthems) was independently
associated with a decreased risk of asthma, but reported pertussis infection and day care attendance in the first year
of life were not strongly associated with increased risks of asthma."
(Family size, infections, and asthma prevalence in New Zealand children)
(2) Schottland, 2000 (Aberdeen-Datensatz)
Results: The sibship structure was similar in cases and controls. In univariate analysis of all cases,
childhood infections reported by parents as acquired either before or after the age of three
years did not influence case:control or atopic status. Seropositivity was also similar for
all cases and controls, but cases in the subgroup with chronic cough and phlegm were more
likely to be seropositive for hepatitis A and H pylori. Seropositivity was unrelated to
atopic status. In multivariate analyses both the effect of having two or more younger
siblings and of acquiring measles up to the age of three
were significantly related to a lower risk of doctor diagnosed asthma.
(Childhood exposure to infection and risk of adult onset wheeze and atopy, 2000)
An dieser Stelle ein Hinweis zur Generalkritik im Reümee des Kapitels:
Es kann gut sein, dass zumindest Masern und Asthma oder Masern und Allergien
wenig miteinander zu haben. Einige Studien kommen zu diesem Ergebnis.
Allerdings kann genauso gut das Umgekehrte der Fall sein, es gibt genügend
Studien, die zu einem eindeutig umgekehrten Ergebnis kommen.
Im letzteren Fall wäre es dann so, dass bei der großen finnischen Studie
zum Beispiel das Ungleichgewicht der Gruppen ein Problem sein könnte, dass 527.220 Kinder in der Gruppe ohne Masern
waren und nur 20.690 in der Gruppe mit Masern. Was gleichzeitig auch bedeutet, durch das
geringe Aufkommen der Masern, dass das normale Masernalter verlassen worden ist.
Das ist das Problem bei Studien, bei denen es ein derartiges Ungleichgewicht der
Gruppen gibt, die auf Befragungen angewiesen sind,
die Zurückblickend sind, die
nicht "blind" sind oder, die ein Masernalter von 10-14-Jahren betrachten:
Das ist alles nicht sauber. Es kann zu keiner eindeutigen Aussage führen und
diese Situtaion wird immer schlechter, da es immer weniger möglich wird,
gleiche Gruppe geimpfter mit ähnlichen Gruppen zu vergleichen, die die
Kinderkrankheit hatten.
(ii) Unterbewertung der apathogene Keime und ihrer Rolle für die Entwicklung des Immunsystems
Im Vortrag wird ausgeführt:
Die Konfrontation mit apathogenen Keimen schult die Toleranzfähigkeit der
Immunantwort und diese Toleranz ist unterentwickelt in „steriler“ Umgebung.
Und später:
-Wir sind mit apathogenen Bakterien/Viren kolonisiert
-Viele apathogene Bakterien und Viren gestalten das Immunsystem mit Bias zu
einer tolerogenen Immunität.
Ich sehe da überhaupt keinen Widerspruch. Das eine ergänzt das andere.
Pathogene und apathogene Bakterien begegnen uns überall
und sorgen dafür, dass sich das Immunsystem entwickelt/geschult wird und
wir mit der Umwelt interagieren können.
2. Weitere Studien und Studien nach 2005
(1) Zweite finnische Studie
Dasselbe Team hat mit demselben Datensatz eine weitere zurückblickende Studie durchgeführt.
Sie kommen zu dem Ergebnis:
Atopic subjects seem to be especially prone to clinically apparent acute respiratory tract infections, and might be in particular need of protection by immunizations. This study does not support the idea that the prevalence of atopy in affluent countries
would be affected from disappearing respiratory tract infections.
(Acute infections, infection pressure, and atopy)
(2) Dänische Studie, Kopenhagen, 2001
Eine von den finnische Daten unabhängige dänische Studie bestätigte einen Nicht-Zusammenhang
von Kinderkrankheiten und Allergien
Allerdings ist folgendes heftig:
Sie reden von einem erhöhten Allergierisiko, wenn man die Masern im ersten Lebensjahr
hatte.
Masern in einem derart frühen Alter sind aber selber eine Folge der Impfprogramme,
die die Kinderkrankheiten nach vorne verschoben haben
(die Mütter geben ihren Kindern keine Antikörper mehr mit).
Und Masern in diesem Alter sind unabhängig von Allergien generell gefährlich, wie
hier auch schon mehrfach ausgeführt wurde.
Results: Measles in the first year of life was associated with a higher risk
of atopy than no measles before age 7 years.
There was no association between atopy and mumps, rubella,
or varicella in the first 7 years of life or with measles acquired
after the first year of life. The risk of atopy increased significantly
with increasing number of childhood infections in the first 2 years
of life.
Gut ist auch die Folgerung:
These findings do not support the suggestion that childhood exposure to measles, rubella, varicella, or mumps protects against atopy, even if acquired very early in life.
Ja, "very early in life."
An dieser Studie saßen echte Experten.
(Age at childhood infections and risk of atopy, 2002)
(3) Türkische Studie, 2006
Das Ziel dieser Studie war es, die Abhängigkeit zwischen Masern und Allergien
zu untersuchen. Das Ergebnis war:
Die Allergie-Anfälligkeit gegenüber der Hausstaubmilbe war signifikant geringer bei Kindern, die Masern hatten, als bei Kindern, die Masern nicht hatten.
Genauso wurde in den vergangenen 12 Monaten weniger Salbutamol (Mittel,
welches bei chronischer Bronchitis eingesetzt wird) in der Notaufnahme bei der
Masern-Gruppe benutzt . Die Benutzung von Kortikosteroiden war üblicher in der Gruppe ohne Masern.
OBJECTIVE: Viral and bacterial infections in childhood decrease the likelihood
of allergic diseases in later life. The frequency of allergic diseases in patients
with a history of measles has been reported to be low but some studies still
suggest that measles can increase the frequency of allergic diseases. The aim of
this study was to investigate the frequency of allergic diseases following measles
in childhood.
RESULTS: Sensitivity to Dermatophagoides pteronyssinus was less frequent in
children with measles than in those without. A history of nebulized
salbutamol use in the emergency room in the previous 12 months was also less
frequent in the measles group. Inhaled corticosteroid use was more
common in the group without measles.
CONCLUSION: The results of this study indicate that findings of allergic disease
are less frequent in children with a history of measles. These children were less
sensitive to D. pteronyssinus.
(Kucukosmanoglu, E., Cetinkaya, F., Akcay, F. "Frequency of allergic diseases
following measles", Allergologia et Immunopathologia Vol. 34, Num. 04)
(4) Japan, 1993, Neurodermitis
(i) In der folgenden Studie erfolgte bei 4 von 5 Patienten nach einer Maserninfektion
innerhalb von 4 Wochen eine langandauernde Verbesserung der
ekzematösen Hautallergie (Neurodermitis), wobei weder auf
allergieauslösendes Essen verzichtet, noch Antiallergie-Präparate
genommen worden sind.
Five patients with atopic dermatitis (AD) who were sensitive
to hen's egg were observed before and after natural measles virus
infection. Within 4 weeks of natural measles virus infection, the
eczematous lesions clearly improved in four of the five patients
in whom neither offending foods were eliminated, nor anti-allergic
drugs, systemic steroids and steroid ointment administered.
und:
Although it is not clear whether long-lasting improvement of atopic
dermatitits in patients 1, 2, 4 and 5 is due to natural measles virus
infection, natural history of atopic dermatitits, or a period of
elimination of the offending foods, the improvement in
atopic dermatitits symptoms within 4 weeks after natural measles
virus infection may be related to reduced
cell-mediated immune response following the infection.
(Improvement of food-sensitive atopic dermatitis accompanied by reduced lymphocyte responses to food antigen following natural measles virus infection, Kondo et al., Clin Exp Allergy)
(ii) Eine zuvor erfolgte Studie stellte eine allerdings vorübergehende
Verbesserung bei ebenfalls 4 von 5 Patienten fest.
Die hier beschriebenen Ergebnisse passen mit Beobachtungen von Impfkritikern
zusammen, die von Verbesserungsschüben bei Neurodermitis nach Masern berichten.
(5) Weitere Studien
Zu jedem Themenkomplex gibt es natürlich weitere Studien.
In jeder Studie wird auf andere Studien verwiesen.
Genau wie die medizinischen Suchmaschinen zu einer Studie, die man aufgerufen hat,
sofort ähnliche Studien anzeigen.
Als Beispiel für die erste Möglichkeit sei auf den Anhang der
türkischen Studie
als auch auf den Anhang der
finnischen Studie
verwiesen, die als frei zugängliche Volltext-Studien eingesehen werden können.
3. Influenza und weitere Bauernstudien
Im Folgenden geht es vor allem um Asthma. Asthma ist eine allergische
Reaktion der Atemwege und gehört zu den bedeutendsten
chronischen Krankheiten im Kindesalter. Asthma bleibt oft ein ganzes
Leben lang erhalten.
(1) Bauernkinder haben häufig ein deutlich geringeres Asthma-Risiko als andere Kinder.
Die Ursache dafür scheint inzwischen klar zu sein: Sie müssen sich
sehr viel mehr mit Bakterien und anderen Mikroorganismen auseinander
setzen.
[...] verschiedene Studien der letzten Jahre ergaben, dass Bauernkinder
ein deutlich niedrigeres Asthmarisiko haben als andere Kinder.
Um der Ursache dieses Phänomens auf den Grund zu gehen, untersuchten
die LMU-Forscher nun Schulkinder in Bayern.
Im Rahmen der beiden großen europäischen Epidemiologiestudien GABRIEL
und der PARSIFAL verglichen Ege und
seine Kollegen Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, mit anderen
Kindern
aus denselben ländlichen Regionen, die allerdings nicht auf einem
Bauernhof lebten.
Das Besondere an der neuen Untersuchung: Die Wissenschaftler beschränkten
sich auf Innenräume und untersuchten den Staub aus den Kinderzimmern auf
Pilze und bakterielle DNA. Im Ergebnis zeigte sich,
dass sich Bauernkinder auch in Innenräumen mit viel
mehr verschiedenen Umweltmikroben auseinandersetzen müssen als andere
Kinder. Dabei erschienen die Umweltkeime quasi als Gesundheitswächter:
Je vielfältiger der Mikrozoo im Hausstaub war, desto geringer war das
Asthma-Risiko.
(Bakterien und Pilze schützen vor Asthma, 25.02.2011, news.doccheck.com)
(2) Neben Bakterien wurden inzwischen auch Viren gefunden, die
vor Asthma schützen:
Werden Jungtiere mit einem Grippevirus oder bestimmten Bakterienbausteinen
infiziert, aktiviert dies einen bestimmten Typ von Immunzellen,
der später die asthmatypische Überreaktion der Atemwege verhindert.
Wie die Forscher im "Journal of Clinical Investigation" berichten.
(Influenza als Impfung gegen Asthma?, 15.12.2010, www.scinexx.de)
(3) Fazit
Der folgende Artikel fasst beides nochmal zusammen:
Grippe schützt vor Asthma, Bakterien tun es auch
(Jürgen Langenbach, 14.12.2010, www.diepresse.com)
Ein Detail in diesem Artikel ist, dass der Autor des Artikels davon spricht,
dass es gehäuft seit den 80-er Jahren zu überschießenden Immunreaktionen
wie Allergien und Asthma bei Kindern kommt.
Dieselbe Information finden wir in dem Artikel aus dem Scinexx-Magazin darüber:
In den letzten drei Jahrzehnten hat die Häufigkeit von Asthma besonders bei Kindern stark zugenommen.
Das ist darum interessant, weil es mit dem Anlaufen der Impfprogramme gegen
Kinderkrankheiten zusammenfällt.
Anfang der 80-er Jahre entfalteten die Massenimpfungen gegen
Kinderkrankheiten, als die dann 4-7 Jährigen in das Alter für
Kinderkrankheiten gekommen sind, erstmals ihre Wirksamkeit.
Ferner wurden, zuvor schon beginnend, in einem kontinuierlichem Prozess
auch Antibiotika immer mehr und mehr eingesetzt,
gemauso wie Fiebersenker, die
mit Schmerzmitteln kombiniert sind. Alle diese Maßnahmen verändern
die Reaktionen des Immunsystems auf Infekte.
Es besteht leider kein Zweifel mehr: Allergien haben dramatisch zugenommen und verlaufen häufig auch schwerer als früher. Doch damit nicht genug: Die Ausbreitung der Allergien geht auch mit immer ungewöhnlicheren Unverträglichkeiten einher. Verborgene Allergene in unvermuteten Dingen des täglichen Lebens machen die Suche nach den Übeltätern für die Ärzte oft zur Detektivarbeit.
http://www.welt.de/gesundheit/article13818047/Alltaegliche-Dinge-des-Lebens-loesen-neue-Allergien-aus.html