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fehlende Infekte
und Allergien

fehlende Infekte
und Krebs



Training des Immunsystems durch leichte Infekte

Die leichten Infektionskrankheiten und Kinderkrankheiten sind notwendig für die Entwicklung des Immunsystems.
Seit dem Jahr 1910 zeigen Studien aus fünf Bereichen dies eindeutig auf.

Die fünf Bereiche:

(1) Allergien

(2) Autoimmunerkrankungen

(3) Leukämie

(4) Lymphdrüsenkrebs

(5) Krebs im Erwachsenenalter



1. Allergien

Der erste Bereich ist der wohl bekannteste: Allergien.
Die erste Studie, die den Zusammenhang von Allergien und einer fehlenden Kinderkrankheit, untersuchte, datiert von 1996. Es wurde festgestellt, dass Kinder mit Masern erheblich weniger Allergien hatten.
Weitere Studien zu Masern bis zum Jahr 2000 fanden ebenfalls diesen Zusammenhang. Ein 1998 in einer englischen Studie gefundenes neutrales Ergebnis löst sich auf, wenn Masern, die nach der Masernimpfung aufgetreten sind, herausgerechnet werden. Dann ergab sich eine Allergie-Reduktion von 45% durch Masern.
Im Jahr 2000 fand eine große finnische Studien allerdings genau das Gegenteil: Masern verursachen Asthma. Auch hier ergibt sich jedoch das erwartete Bild, wenn der Einfluss der Impfungen herausgerechnet wird: Bei einem Verhältnis von 527.220 Kindern ohne Masern zu 20.690 Kindern mit Masern, konnte man nur noch in der ältesten Gruppe der Jugendlichen, die auch die höchsten Masernzahlen aufwies, von einem nicht verschobenen Masernalter ausgehen. In dieser Gruppe war das Asthma Risiko aber um ein Viertel geringer als in der Vergleichsgruppe ohne Masern, wodurch diese Studie als Gegenbeispiel nicht mehr geeignet ist. Der Zusammenhang von mehr Masern und weniger Allergien ist damit klar und wurde in mehreren weiteren Studien nach 2000 bestätigt.

Die Serie der Windpocken-Studien begann im Jahr 2001. Bis zum Jahr 2011 liefen 4 Windpocken-Studien, die allesamt einen Zusammenhang zwischen fehlenden Allergien in Form von Neurodermitis oder Asthma mit fehlenden Windpocken zeigten.

Mumps und Röteln wurden im Zusammenhang mit Allergien nicht gesondert untersucht. Mir ist nur eine Studie bekannt, in der Röteln als ein Teil einer Studie mit untersucht worden sind. Es wurden in dieser Studie bei mehr Röteln weniger Allergien gefunden. Die Autoren der Studie bezeichneten dieses Ergebnis allerdings, wahrscheinlich in Unkenntnis darüber, dass sie genau den Erwartungswert getroffen hatten, als Artefakt.

Im besonderen Focus von Studien und Theorie ist Hepatitis A. In einer großen amerikanischen Studie von 2002 konnte gezeigt werden, dass zwischen 1920 und 1969 kein Anstieg von Heuschnupfen in der amerikanischen Bevölkerungsgruppe stattfand, die Antikörper gegen Hepatitis A hatte. Genauso wie bei den Kinderkrankheiten ist aber auch bei Hepatitis A der Zeitpunkt der Infektion entscheidend. Ab einem gewissen Alter trägt eine Infektion nicht mehr zur Stimulation des Immunsystems bei, wodurch gegenläufige Ergebnisse einzelner Studien erklärt werden.

Genauso kann auch gezeigt werden, dass der Kontakt zu nicht krankheitserregenden Keimen Allergien verringern. Am bekanntesten sind hier die sogenannten Bauernstudien.

Theoretisch umfasst werden alle diese Studien von der Hygiene Hypothese:
Die Hygiene Hypothese besagt, dass der starke Rückzug der Keime, krankheitserregend oder nicht krankheitserregend, für den hohen Anstieg der Allergien und Autoimmunerkrankungen verantwortlich ist. (Quellen: 31-62)

2. Autoimmunerkrankungen

Der zweite Bereich sind die Autoimmunerkrankungen
Sowohl bei Diabetes Typ 1 als auch bei Multiple Sklerose wurde festgestellt, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei besserer sanitärer Hygiene und höherer gesellschaftlicher Schicht, also insgesamt bei hygienischeren Verhältnissen, stieg. Die erste Annahme war daher, dass die Ursache der beiden Erkrankungen jeweils ein Virus ist, der gefährlicher wird, je später der Kontakt erfolgt. So ein Verhalten entspricht dem grundsätzlichen Verhalten von Polio und entsprechend wurde diese Annahme Polio-Hypothese genannt.

Inzwischen wurde von dieser Annahme abgerückt und wie bei den Allergien wird ein in der Kindheit unzureichend stimuliertes Immunsystem als Erklärung angenommen. Ein gewöhnlicher Infekt, der verspätet in der Kindheit auftritt und auf dieses in der Kindheit unzureichend geforderte Immunsystem trifft, kann dann zu einer fehlerhaften Immunantwort führen und die Autoimmunerkrankung auslösen. Bei Multiple Sklerose ist der Epstein-Barr-Virus so ein Trigger, bei Diabetes Typ I können es die Enteroviren sein.

Auch bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn) gilt ein früher Kontakt mit Keimen und Dreck als schützend und wichtig für das Immunsystem.
Auch diese letzte Beobachtung bestätigte die Hygiene Hypothese, die sich als die stärkste epidemiologische Erklärung für den Anstieg der Allergien und Autoimmunerkrankungen durchgesetzt hat. (Quellen: 63-77)

3. Leukämie in der Kindheit

Der dritte Bereich ist die Leukämie in der Kindheit.
Die Annahme, dass es verspätet in der Kindheit auftretende Infektionen sein können, die Leukämie auslösen, wenn sie auf ein in der Kindheit nicht ausreichend ausgebildetes Immunsystem treffen, stammt von Mel Greaves. Sie entstand in etwa zur gleichen Zeit wie die Hygiene Hypothese, aber unabhängig von ihr und sie entsprang dem Leukämie-Risikoprofil:
Erstgeborene, Kinder mit wenig sozialen Kontakten, Einzelkinder und Kinder in einem höher gebildeten Elternhaus haben ein höheres Leukämierisiko.

Diese "delayed-infection"-Hypothese gilt sowohl durch epidemiologische Studien als auch durch Beobachtungen bei dem plötzlichen Wechsel einer Bevölkerungsgruppe von viel zu wenig Infektionen als gut belegt.

Bei den Studien zur Leukämie ist eine niederländische Studie von 1986 besonders herauszuheben, die das auch damals schon bekannte Risikoprofil von Leukämie klar formuliert und bestätigt. Außerdem die britische "Childhood-Cancer"-Studie von 2005, in der 9445 Kinder untersucht wurden, von denen 1286 akute Leukämie hatten. Und als Letztes eine Übersichtsstudie von 2010 deren Ergebnis die delayed-infection Hypothese ebenfalls stark stützt.

Ein plötzlicher Wechsel einer Bevölkerung von viel zu wenig Infektionen sei ebenfalls erwähnt, weil er uns betrifft. Es ist der Fall der Mauer. Während vor der Wende nahezu alle ostdeutschen Kinder in Kinderkrippen waren, änderte sich das durch die Wende schlagartig und die Leukämierate bei den Kindern in Ostdeutschland stieg zwischen 1992 und 1996 um 25%. (Quellen: 78-85)

4. Lymphdrüsenkrebs bei Jugendlichen und im jungen Erwachsenenalter

Der vierte Bereich ist der Lymphdrüsenkrebs.
Die ersten Studien stammen von amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. In einer englischen Studie von 1966 fand McMahon eine direkte Beziehung zwischen der Erkrankung und den fünf gesellschaftlichen Klassen, wie sie im englischen "Registrar General" geführt wurden. Sowohl bei den 20-34-jährigen Männern als auch bei den 20-34-jährigen Frauen war die Todesrate durch Lymphdrüsenkrebs in der höchsten gesellschaftlichen Schicht mehr als doppelt so hoch wie in der niedrigsten.

1977 gab es eine Studie von Pfaffenbarger, in der explizit der Zusammenhang der üblichen Kinderkrankheiten mit Lymphdrüsenkrebs untersucht wurde. Bei den Krebsfällen zeigte sich ein durchgehendes Fehlen von Kinderkrankheiten.
Diese weit blickende Studie vermutete damals schon als erste von drei Möglichkeiten, dass Infektionen in der Kindheit das Immunsystem in eine Richtung modifizieren, in der es weniger Krebs anfällig wird. Dasselbe, was also auch schon Rudolf Schmidt 1910 für Krebs im Erwachsenenalter feststellte. Diese Erklärung setzte sich später, nach einem Ausflug zur obligatorischen "Polio-Hypothese", durch und wurde "host response model" genannt. Es ist die analoge Erklärung zur Hygiene Hypothese bei den Allergien und zur "delayed-infection"- Hypothese bei der Leukämie.

In einer Überblicksstudie von 1999 ergab sich für das junge Erwachsenenalter ein doppelt so hohes Lymphdrüsenkrebs-Risiko bei einem höheren sozioökonomischen Status und höherer Bildung. Weiter war das Lymphdrüsenkrebs-Risiko für Kinder in großen Familien mit mehr Geschwistern nur halb so groß wie das Risiko von Kindern in kleineren Familien. Und die später Geborenen in den großen Familien hatten ein geringeres Risiko als diejenigen, die früher geboren worden waren.

Der Einfluss von frühkindlichen Infektionen in Kindertagesstätten auf das Lymphdrüsenkrebsrisiko in der Kindheit wurde in einer französischen Studie von 2011 untersucht. Durch den Besuch einer Kindertagestätte verringerte sich das Lymphdrüsenkrebs-Risiko in der Kindheit um 50%. (Quellen: 86-99)

5. Krebs im Erwachsenenalter

Die erste Studie, die einen Zusammenhang von weniger Kinderkrankheiten und mehr Krebs zeigt, datiert von 1910. Rudolf Schmidt fiel auf, dass in der Vorgeschichte von Krebskranken überaus häufig die Angaben wiederkehrten, sie seien stets gesund gewesen und hätten keine fieberhaften Infekte überstanden.
Bereits vor dem Krieg wurde dieser Zusammenhang von zwei weiteren Studien bestätigt. Einmal 1934 von Paul Engel in Wien und das zweite Mal 1936 in einer Studie von Franz Sinek an der Deutschen Universität in Prag.
Die verzögert nach dem Krieg einsetzende Forschung festigte das Bild weiter. In neuerer Zeit (1999) fanden zwei weitere deutsche Studien einen Zusammenhang zwischen mehr fiebrigen Infekten und weniger Hautkrebs, sowie zwischen mehr Infektionen und weniger Hirntumor. Die letzte internationale Studie datiert von 2010 aus den USA. Es war eine Überblicksstudie zu Mumps und Eierstockkrebs. (Quellen: 1-30)

Die Quellenangaben sowie eine größere Darstellung der einzelnen Studien finden sich hier: "Die Notwendigkeit von Infektionen und Kinderkrankheiten".